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Nach der Simulation Shift 2, die im Laufe des Jahres eine gute Kritik einfahren konnte,
wird es nun wieder Zeit für einen Arcarde-Racer aus der Rennspiel-Reihe Need für Speed.
Bei dem neusten Ableger aus dem Hause Electronic Arts wird direkt eines
klargestellt: Need for Speed: The Run soll mehr bieten als ein paar Fahrten in PS-starken Boliden.
Einem Hollywood-Blockbuster nachempfunden, wird ein kinoreifes Spektakel inszeniert und obendrein
für den Trailer Michael Bay als Regisseur verpflichtet. Wenn man sich diesen Trailer anschaut,
wird direkt deutlich, dass mit The Run weitaus mehr gemeint ist als ein Autorennen. Es wird sich
sogar zu Fuß in Bewegung gesetzt. Das hinterlässt einen bleibenden Eindruck und baut Spannung auf,
wie diese Elemente in The Run integriert sind. Die kanadischen Entwickler werden doch nicht etwa
GTA-ähnliche Elemente eingebaut haben? Das wäre in der Tat mal etwas Neues, eine Innovation im
NfS-Kosmos. Kein Fuhrpark oder eine Garage, in der die Autos gewechselt werden, sondern ein Areal,
in dem man sich frei bewegen kann und das nächste Fortbewegungsmittel einfach nimmt, sprich klaut?
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Falls man bei den Screenshots eine Cockpit-Ansicht vermissen sollte: Im Spiel vermisst man sie auch. |
Nun, so ein Spiel ist kein Wunschkonzert und ein Trailer eben nur ein Trailer.
Und erfahrungsgemäß entspricht so ein Vorschaufilmchen nicht immer der Spielrealität. Doch schauen
wir uns zuerst die Story an: Wir spielen den Fahrer Jack, der Schulden bei so richtig fiesen Typen
hat. Die sind sogar so fies, dass sie Jack gefesselt in einem Edel-Sportwagen in eine Schrottpresse
stecken. Ob die Kosten für diesen Sportwagen mit den Schulden verrechnet werden oder warum die
Edel-Kutsche nicht einfach in Zahlung gegeben wird, sei einmal dahingestellt. Jack jedenfalls
entkommt in letzter Sekunde. Alles andere als diese vorhersehbare Wendung wäre auch ganz schön
blöd, da wir unseren Helden ja nicht schon in der ersten Spielminute zu menschlicher Matsche
verarbeitet sehen wollen. Eingeschüchtert durch dieses traumatische Erlebnis, möchte Jack nun
natürlich unbedingt seine Schulden begleichen. Die Lösung seiner Geldprobleme liegt wahrhaftig
auf der Straße: 'The Run', ein illegales Rennen von der West- bis zur Ostküste der Vereinigten
Staaten, für dessen Sieg ein ordentliches Preisgeld zu holen ist. Der Trailer verspricht also nicht
zu viel. Die Story kann mit der eines Blockbusters gleichziehen: Viel Lärm um Nichts, wo wir wieder
bei Michael Bay wären. Logikfehler inklusive.
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Viel Lärm um wenig Story!
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Die im Trailer so geheimnisvollen Spielpassagen zu Fuß entpuppen sich schon in
den ersten Minuten als selten eingestreute Quicktime-Events, die so nötig sind wie Jar Jar Binks
für Episode 1. Zum Glück beschränken sich diese simplen Spielchen auf wenige Sequenzen zwischen
den Rennen. Unterm Strich wurde zu wenig aus der Idee gemacht, eine filmreife Inszenierung rund
um die Rennen abzuliefern - mal abgesehen vom stimmungsvollen Soundtrack. Die Story ist extrem
dünn, die Quicktime-Events öde und zu allem Überfluss wird die mangelnde Liebe zum Detail auch
noch durch die Biografien der gegnerischen Fahrer unterstrichen. Diese findet man während der
Ladescreens in Textform vor. Nicht nur, dass das extrem lieblos zusammengestellt aussieht, die
Kurzvitae sind tatsächlich so kurz, dass einem die unglaublich langen Ladezeiten (und wenn da
unglaublich lang steht, ist damit Wutanfall-fördernd lang gemeint) auf sehr gehässige Art und
Weise vor Augen geführt werden. Bis hier hin hat das Entwicklerteam von Black Box, das seinerzeit
auch für das unsägliche Need for Speed: ProStreet verantwortlich war, noch keine Oscar-reife
Leistung abgelegt, aber eigentlich geht es ja auch um die Rennen an sich. Und da wird beim
Streckendesign gepunktet.
Grafisch ist aus der Frostbite2-Engine zwar nicht so beeindruckend viel
herausgeholt worden wie bei Battelfield 3, trotzdem sind die unterschiedlichen Landschaften und
Städte echte Hingucker und sorgen für die nötige Motivation weiter zu spielen, um neue Abschnitte
zu sehen. Die Strecken in der freien Natur sind nicht nur schön anzuschauen, sondern sorgen auch
physisch für Abwechslung und sind so der eigentliche Star des Spiels. Nasse Straßen, Sandstürme,
Windböen, Lawinen etc. erfordern mindestens so viel Aufmerksamkeit wie die fahrenden Gegner,
die es zu überholen gilt. Hat man das erst einmal geschafft, kann man sich darauf einstellen,
dass man sie sehr schnell wieder am Heck kleben hat. Einen Vorsprung herauszufahren ist dank
Gummibandeffekt schier unmöglich. Das hat aber auf der anderen Seite auch den Vorteil, dass
man selbst bei Fahrfehlern nicht wirklich ins Hintertreffen gerät. Ein Tipp am Rande: Die
größten Frustmomente sind es, wenn man kurz vorm Ziel noch überholt wird. Solchen Überraschungen
kann man vorbeugen, indem man sich unbedingt ein wenig Nitro für die letzten paar hundert Meter aufhebt.
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Jack on the run. Und der Spieler wartet darauf, eine Taste zu drücken. |
Innerhalb der Rennen sind die sogenannten Kontrollpunkte neu, die an
verschiedenen Stellen der Strecke verteilt sind. Kommt man von der Straße ab oder baut einen
Crash wird man vom Spiel automatisch zurückgesetzt (selbständig mit der Select-Taste). In der
Praxis hat das den Vorteil, dass man von diesen Punkten aus mit voller Fahrt loslegt. Allerdings
hat man keinerlei Einfluss darauf, und oft scheint die Zurücksetzung übertrieben schnell
stattzufinden, wenn man nur marginal von der Strecke abkommt. So kann man sich auch Programmierarbeit sparen.
Das Fahrverhalten ist arcarde-typisch unrealistisch: Die Wagen liegen wie ein Brett
auf der Straße. Hier und da gibt es Kurven, vor denen man mal auf die Bremse treten sollte,
vielmehr braucht es aber an fahrerischem Können nicht. Die Action steht im Vordergrund und die
Steuerung ist erfrischend leicht zu erlernen. Der Fuhrpark ist als klein, aber fein zu beurteilen.
Man wechselt die Wagen, indem man während der Rennen durch eine dafür vorgesehene Tankstelle rast.
Umsteigen, weiterrasen und zwangsläufig über folgende Frage nachdenken: Was ist Need for
Speed ohne die legendären
Tuning-Möglichkeiten? Mit The Run hat man die Antwort. Genauso
fragt man sich, warum es nur drei Kameraperspektiven gibt und eine Cockpit-Ansicht fehlt.
Shift 2 hat vorgemacht, wie detailliert Innenansichten aussehen können. Warum hat man sich
nicht dort bedient und auch direkt die brachialen Motorensounds übernommen?
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Klein, aber fein ist die Auswahl an lizensierten Automarken. (Hier vier davon) |
Die gesamte Strecke quer durch die Staaten ist in einzelne Etappen unterteilt. Ziel ist es natürlich
am Ende als Sieger auf dem Treppchen zu stehen und so gibt es für jedes einzelne Rennen die
'abwechslungsreiche' Vorgabe stets Erster zu werden. So ist man beispielsweise bei Erreichen von
Las Vegas auf Position 150. Darunter oder darüber gibt es nicht. Soll man in einem Rennen zehn
Plätze gutmachen, wird es auch nicht mehr als die dafür benötigte Anzahl an Gegnern auf der Straße
geben. Besonders spannend ist das nicht und ein zweiter Platz bedeutet eine Rennwiederholung.
Immerhin sorgen die unterschiedlichen Rennen wie Countdown- oder klassische Positionsrennen,
Zeitfahrten und nicht zuletzt die gescripteten Verfolgungsjagden inklusive Straßensperren mit
dem langen Arm des Gesetzes für gelungene Abwechslung. Diese Abwechslung hält aber im wahrsten
Sinne des Wortes nicht lange an: The Run verdient sich den Titel des Jahres für die kürzeste
Einspieler-Kampagne. Viel zu schnell sind die Staaten durchquert, und das kann nicht mit Need for Speed
gemeint sein. Immerhin spielt man mit den einzelnen Etappen noch Challenges frei, bei denen das aus Shift 2
und Hot Pursuit bekannte 'Autolog' zum Tragen kommt. Online kann man sich mit seinen Freunden messen und
gegeneinander antreten. Warum man allerdings wieder einmal nicht im Splitscreen-Modus gegeneinander vor
Ort antreten kann, wird weiterhin das Geheimnis von EA bleiben. Eine Duell-Kampagne hätte sich beispielsweise angeboten.
Fazit | The Run ist kein schlechtes Arcarde-Rennspiel.
Im Gegenteil: Die einzelnen Streckenabschnitte machen Lust auf mehr und die Renn-Typen sind
abwechslungsreich. Allerdings wird der positive Eindruck durch die kurze Spielzeit extrem getrübt.
Durch Trailer und Co ist darüber hinaus eine sehr hohe Erwartungshaltung aufgebaut worden,
der The Run einfach nicht standhält. Das Rennspiel ist sehr ambitioniert, bleibt aber alles
in allem unter den Möglichkeiten. Ambitionierte:

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Metakritik
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