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Review
  DER HERR DER RINGE: DER KRIEG IM NORDEN
  [ 360 / PC / PS3 ]   

DER HERR DER RINGE: DER KRIEG IM NORDEN Von den Snowblind Studios hatte man nichts mehr gehört seit im Jahr 2001 Baldur's Gate: Dark Alliance veröffentlicht wurde. Jetzt haben sie das kooperative Action-RPG Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden entwickelt, das in der Vorweihnachts-Spielewelle ins Rennen geschickt wird. Die Frage ist, ob sich der Franchise-Ableger im Trubel gegen Größen wie Batman, Uncharted oder Skyrim behaupten kann.

In dem Prügel-RPG können drei Helden, die in den HdR-Filmen nicht zu sehen sind gespielt werden; entweder im Co-op Modus online, mit einem Mitspieler auf dem Sofa im Split-Screen oder solo zusammen mit KI-Gefährten. Da ist der Zwerg Farin, die Elbin Andriel und der Dunedain Eradan, die sich zu Beginn zusammen nach Bree begeben. Dort begegnen sie im 'Tänzelnden Pony' Streicher, besser bekannt als Aragorn, und erfahren Einiges über den heraufziehenden Krieg. Die Bedrohung geht von Agandaur, einem mächtigen Diener Saurons, und seinen Truppen aus dem Norden, aus. Ihn gilt es fortan zu bekämpfen und die Unterstützung Saurons von Norden her zu unterbinden. Soweit auch schon die Geschichte.

Die Riesenspinnen sind nur gemeinsam zu schlagen.

Dabei ist es ein sehr interessanter Ansatz, sich mit den Figuren in bisher nicht betretenes Terrain zu begeben. Der Zwerg, die Elbin und der Ranger sehen dabei ganz ordentlich aus und jeder von ihnen hat seine Stärken. Farin ist ganz klar ein Hitzkopf, der für den Nahkampf wie geschaffen ist, Andriel unterstützt die Party hauptsächlich mit Magie und Fernangriffen und Eradan kann sowohl mit dem Bogen als auch dem Schwert gut umgehen. Auf ihrer Mission finden die Drei jede Menge Dinge in herumstehenden Tonnen und bei erledigten Feinden, die zu einem Rollenspiel dazu gehören: Neue Waffen, Münzen, Tränke und andere wertvolle Items, die sie später an Speicherpunkten verkaufen oder auch zwischendurch an die Partner weitergeben können.

Hier gibt es aber leider schon das erste Ärgernis: Will man zum Beispiel das zweihändige Schwert, das man Aufgrund der eigenen Klasse noch nicht nutzen kann, an einen Mitspieler weiterreichen, kann es passieren, dass dieses in seinem Inventar nicht auffindbar ist. Hier müsste nachgebessert werden.

Der Kooperationsansatz des Spiels steht im Vordergrund und ist ein sehr großes Plus. Es macht Spaß und ist herausfordernd, gemeinsam gegen eine größere Gruppe von Orks, Uruk-Hai oder sogar Trolle und Riesenspinnen vorzugehen. Und es gelingt wirklich nur kooperativ! Will man allein vorstürmen, hat man recht schnell das Zeitliche gesegnet. Der KI-Mitspieler macht seine Sache dabei ganz gut und belebt den Gefallenen wieder, steht aber auch ab und an im Weg. Bei Online-Matches gibt's leider das Problem, dass der Ton, der übrigens wirklich atmosphärisch und gelungen ist, des Öfteren aussetzt. Gelegentlich fror das Spiel während des Tests sogar ein, dann war die Partie natürlich hin und das zuvor betretene Match nicht mehr verfügbar. Außerdem: Will ein Partner zwischendurch aus dem Spiel aussteigen und erst bei einer späteren Partie wieder dabei sein, ist dies zwar möglich, er kann aber beim Wiedereinstieg sein Spiel nicht speichern. Ein unnötiger Frustmoment.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist auch auf normaler Stufe angenehm und fordernd, aber bringt den Spieler auf den höheren Stufen durchaus richtig ins Schwitzen. Ohne Kooperation geht nichts und das ist gut so. Auf Dauer nutzt sich das Gameplay aber mit der Zeit ab, weil im Prinzip nur Gegnerwelle auf Gegnerwelle auf die Helden einstürmt und die Story relativ belanglos ohne große Höhen dahinplätschert. Da hilft es auch nicht, dass man bekannten Figuren wie Gandalf, Frodo und Legolas begegnet.

Es geht mitunter ganz schön blutig zu.

Die Steuerung ist eingängig und geht gut von der Hand. Die verschiedenen Spezialattacken beispielsweise sind immer über die rechte Schultertaste (PS3) in Kombination mit den Buttons erreichbar, das Inventar schnell mit der Select-Taste aufzurufen. Leider ist letzteres aber nicht speicherbar oder sortierbar, was durchaus wünschenswert gewesen wäre.
Nach jedem Level kann man hier die gewonnenen Erfahrungspunkte verteilen und die Figur in Stärke, Geschicklichkeit, Willenskraft und Ausdauer weiterentwickeln und für den Kampf nützliche neue Fähigkeiten erlernen.

Im Getümmel bloss nicht den Überblick verlieren.

Die Texturen sind annehmbar, wenn auch an manchen Stellen etwas matschig; die Ähnlichkeit mit den gelegentlich auftauchenden Filmvorbildern ist gut gelungen. Die Umgebungen sind manchmal etwas zu eintönig und detailarm geraten, dafür entschädigen wiederum die Gegner und Monster etwas. Im Leveldesign gibt es nur wenig Freiheiten für den Spieler die Wege zu verlassen; man kämpft sich schlauchartig zum Levelende vor und steht des öfteren vor unsichtbaren Hindernissen am Rand einer Wiese oder Lichtung.

Fazit | Ein weiterer Ausflug in den Lizenzspielbereich für Tolkien-Fans birgt einige gute Ideen, lässt aber an ein paar Stellen technisch sehr zu wünschen übrig. Die Probleme beim Speichern, der zu kleine Split-Screen sowie das Ärgernis, dass Items bei der Weitergabe verloren gehen können, schmälern das eigentliche Vergnügen, das bei dem Action-Koop-Schnetzler gegeben ist. Es bleibt zu hoffen, dass ein Update bei den technischen Frustmomenten Abhilfe schaffen wird.
Auch wenn die Spiel-Spannung immer ausreicht, nachschauen zu wollen was hinter der nächsten Ecke Mittelerdes steckt, kann HdR - Der Krieg im Norden sich gegen die direkte Konkurrenz von Genre-Größen wie The Elder Scrolls - Skyrim im Spieletrubel kaum behaupten. Vielleicht hätte ein wenig mehr Entwicklungszeit dem ganzen Abenteuer gut getan, technisch wie vom Konkurrenzumfeld her.
Für den guten Ansatz plus dem funktionierenden wenn auch manchmal repetitiven Gameplay, dem spassigen Koop-Modus minus Ärgernis-Punkten, weil man vom HdR-Franchise wirklich mehr erwarten kann, gibt es von mir letztlich noch 3 Sterne. Das ist immer noch genug, um mich auf das nächste Abenteuer aus Mittelerde neugierig zu machen.

  -  Jörg Faßbender

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