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Über Zehn Jahre sind seit dem ersten Deus Ex ins Land gezogen und viel hat sich in der Spielelandschaft verändert.
Artverwandte Spiele wie 'System Shock' feiern in ihren Reinkarnationen wie 'Bioshock' große Erfolge,
zollen aber auch dem Wandel der Zeit ihren Tribut. So gibt es in genannten nicht mal mehr ein Inventar
und alles was an Lebensenergie-Heilenden Schokoriegeln rumliegt wird sofort verputzt. Ist Deus Ex: Human Revolution
zu einem ähnlichen Schatten seiner selbst verkommen oder dem eigenen Vorbild treu aber somit hoffnungslos überholt?
Oder schafft Human Revolution doch den schwierigen Spagat zwischen Serientradition und modernen Spielablauf?
Adam Jensen, so der Name unseres Protagonisten, wird bei einem Anschlag auf ein Forschungslabor
schwer in Mitleidenschaft gezogen. So schwer, dass vom Ex-Swat Bullen nicht viel mehr als ein bisschen
Torso und Kopf übergeblieben ist. Also werden ihm fluchs von seinem Arbeitgeber, dem Biotech Konzern Sarif Industries,
neue, verbesserte Arme und Beine verpasst, sowie alles an Experimentalhardware was man finden konnte.
So ziehen wir als menschliches Taschenmesser los, herauszufinden wer für unseren Zustand und den Tod
unserer Freundin verantwortlich ist, die bei dem Anschlag um Leben kam.
Eine typische Stealth-Mission ^_~ |
Was aus meiner Feder so flapsig klingt ist harter Tobak und nimmt sich selbst, trotz gelegentlicher
Auflockerungen, sehr ernst. Menschen demonstrieren in den düsteren, regennassen Straßen gegen
Augmentierungen, so der Name der Verbesserungen, da sie reichen Menschen Vorteile verschaffen,
gleichzeitig aber auch von Medikamenten, die die Abstoßung verhindern sollen, abhängig machen. In
den Straßen fliegt Papier, türmt sich Müll und die Passanten rauchen, wollen ihren Körper verkaufen
oder sich was erbetteln. Es lohnt sich den Gesprächen in der Umgebung zu lauschen um Informationen
über die Umgebung, versteckte Waffenhändler u.Ä. zu finden. Ein bisschen bevölkerter und offener dürften
die Straßenzüge sein, aber ansonsten ist die Illusion einer futuristischen Welt perfekt.
So sind die Städte, derer es mehrere gibt, zwar nicht ausufernd groß, aber frei auf vielen
Ebenen (Kanalisation, Dächer, Strassen, Passagen) erkundbar und mit allerlei Nebenquests versehen.
Völlig anders hingegen die eigentlichen Haupt-Missionen in denen es relativ geradlinig Shooter-Like
voran geht (der Zeit entsprechend geschuldet mit 'Schockschaden' und Deckungsfeature). Der Bruch ist zwar
auffallend aber die dadurch entstehende Abwechselung stimmt, zumal Deus Ex: Human Revolution in
seinen 'linearen' Passagen ein wesentlich freieres vorgehen erlaubt als so ziemlich jeder Shooter auf dem Markt.
So muss nicht ein Gegner (außer den Endgegnern) getötet, wenn nicht sogar auf euch aufmerksam werden. So
kann man neben stumpfen ballern auch in vielen Variationen schleichen oder andere(s) für sich kämpfen
lassen. Betäubungspistolen oder ein gezielter Schlag aus dem Versteck sind die eine Variante; komplett
unbemerkt zu bleiben, dank zahlreicher Deckungen und Lüftungsschächte, eine andere und wer selbst zu feige
ist zum Kämpfen hackt ein paar Drohnen zu seinen Zwecken um.
Egal ob Kämpfen, Hacken, Schleichen oder auch simples Reden und Umstimmen der Gegner:
Bei Alledem helfen euch eure Augmentationen. Die könnt ihr nach und nach in beliebiger Reihenfolge freischalten
um besser zu Zielen, durch Wände zu sehen, euch unsichtbar machen zu können, Pheromone auszuschütten und
vieles, vieles mehr.
So passt Deus Ex: Human Revolution auch nicht so recht in ein Genre sondern ist tatsächlich ein breiter
Mix. Es ist ein klassisches Adventure, ein ordentliches Rollenspiel, ein passabler Shooter,
ein großartiges Schleichspiel aber vor allem ein grandioses Erlebnis. Halt ein echtes Deus Ex!

Der Limblord in Aktion
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Deus Ex: Human Revolution ist der feuchte Traum eines jeden Cyberpunk Fans.
Nicht nur in punkto Story und Atmosphäre sondern auch in Grafik und Sound. Büros und Wohnungen sind
zumeist vollgestopft mit Kram und das Design von Städten, Vehikeln und Kleidung stimmig. Der alles
überlagernde goldene Farbton mag teils etwas zu aufdringlich wirken, gibt der Welt aber ihren eigenen
Anstrich. Auch der Sound lässt sich nicht lumpen, so passt die technoide Musik wie die Faust
auf's Auge und die deutschen Sprecher sind allesamt gut gecastet und leisten hervorragende Arbeit.
Dennoch liegt in der Synchro einer der größten Faux-pas des Spiels. So ist die Bezeichnung 'nicht Lippensynchron'
mehr als untertrieben. Dass sich dagegen einige Sprecher für die sich auf der Strasse tummelnden NPCs
munter wiederholen macht da kaum was aus.
'Die waren schon tot wo ich angekommen bin!' |
Deus Ex: Human Revolution bietet eine Menge Möglichkeiten. Die Grundgegebenheiten
werden zwar glücklicherweise recht einsteigerfreundlich vermittelt, um sich zurecht zu finden braucht
es dennoch mehr als nur das eingebürgerte Computerspiele-Regelwerk im Hinterkopf. Nämlich das Vergessen
desjenigen! Ja, die meisten Räume kann man hacken oder über einen Lüftungsschacht erreichen und die KI ist
manchmal echt 'dumm' wenn man vor den NPCs ihr Hab und Gut einstecken kann oder Wachmänner manchmal an einer
Treppe scheitern. Aber geschlossene Türen brauchen nicht unbedingt einen Schlüssel oder einen Hacker,
sondern lassen sich auch von einer Handgranate öffnen; genauso wie Lüftungsgitter kein undurchdringbares
Hindernis sind durch das man durchaus schießen kann.
Fazit | Deus Ex: Human Revolution ist so klassisch
dass es teilweise beängstigend ist. Im Guten wie im Bösen. Denn trotz leichten Einstiegs dauerte es bei mir
rund 10 Stunden bis alles saß, die Story mich in ihren Bann zog und ich vor allen Dingen Macken, wie die
erstaunliche Lippen-Unsynchronität, nicht mehr wahrgenommen habe. Ist das überwunden kann ich mich nur Fragen:
Wieso macht heutzutage kein Mensch sonst so ein geniales Spiel mit derart vielen Möglichkeiten? Selbst
ein 'Mass Effect' verdient hiergegen allenfalls die Bezeichnung 'Story-Shooter' als irgendetwas mit
den Buchstaben 'RPG'.
Die großartige Atmosphäre und die teils unüblichen Möglichkeiten sich im Spiel auszuleben machen einen
großen Anreiz aus. Zu Schade dass die Stadt manchmal zu beschränkt wirkt oder die Illusion einer glaubhaften
Welt leidet, weil Charaktere nicht wahrnehmen wenn man sie bestiehlt. Dagegen wesentlich glaubhafter, sogar
als in jedem vergleichbaren Rollenspiel, ist das Dialog System. Hier gibt es kein schwarz/weiss malerisches
Gut oder Böse, sondern feine Nuancen mit denen man sein Gegenüber manipulieren kann.
Die für mich größte Überraschung stellt aber der 'Schleich'-Anteil des Spiels dar. Der ist für Ballerfreunde
glücklicherweise optional, aber es ist in meinen Augen der erste Schleich-Modus der perfekt gelungen ist.
Zu keiner Zeit wird man entdeckt ohne eine Ahnung zu haben warum, da man immer die volle Übersicht hat. Sei
es dank 3rd Person Ansicht beim sich in die Deckung drücken, die Karte oder zusätzlichen Augmentierungen,
die einem das Leben weiter erleichtern können. Das Wachmänner sich im Lauf schon mal umdrehen oder pullern
gehen und nicht nur stur ihre Route ablaufen ist ein spannendes I-Tüpfelchen.
Das neue Deus Ex ist nicht perfekt, und Ausrutscher wie die peinliche Lippensynchronität wirklich ärgerlich,
aber es macht vieles richtig gut bis perfekt. Die Tatsache das die Auflebung eines über 10 Jahre alten Spieles
heute neuartig frisch wirkt ist zwar ein Armutszeugnis für die Schlauchlevel geprägte Videospiel-Industrie, aber
im Kontext des aktuellen Spielemarktes eine Inovations-Bombe und mir somit bedingungslos eine 'Medal of Awesome'
wert. Trotz vereinzelter Macken volle:

PS: Von langen Ladezeiten, wie in vielen Tests bemängelt, ist im fertigen Spiel nichts zu spüren. Bugs hatte unsere Testversion aber dennoch vereinzelt, wie PDA-Einträge (u.a. mit Passwörtern) die nur im via Autosave angelegten Spielstand im Inventar landeten. Keiner davon behinderte jedoch den Abschluss des Spiels.
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