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Ausgewählter Test:
Review
  ALICE - MADNESS RETURNS
  [ 360 / PC / PS3 ]   

ALICE - MADNESS RETURNS Alice Liddell ist zurück und zwar diesmal dort wo sie hingehört, auf der Konsole und das direkt in doppelter Form. Doch einmal von vorne. Im Jahr 2000 erschien 'American McGee's Alice', für PC und Macintosh, seines Zeichens ein Jump'n Run mit Actioneinlagen. Obwohl unglaublich ansehnlich, krankte es an der Plattform und Spielgenre. Als Jump'n Run, dem die hinzugekommene dritte Dimension eh nicht immer zuträglich ist, in Sachen Präzision und Genauigkeit, fallen Sprungpassagen hier direkt, dank Tastatur und Maus anstelle eines Joypads, noch eine Ecke kniffliger aus.

Beide genannten Probleme wurden für den Nachfolger, Alice - Madness Returns, ausgebügelt und der Erstling sogar für Konsoleros via enthaltenen Downloadcode nachgeliefert. Als Bonus für Erstkäufer (ansonsten für ca. 10€ nachträglich erwerbbar) sicherlich ein netter Zusatz, doch widmen wir uns lieber der verzerrten Welt des Nachfolgers.


Du hast mein Herz geklaut! Und mein Kreuz, mein Pic und mein Karo!

Die kleine Alice Liddell ist verrückt. Nachdem ihre ganze Familie bei einem Hausbrand ums Leben gekommen ist, flüchtet Sie sich in Selbstzweifeln und Schuldgefühlen um ihre Involviertheit in eine krankhaft pervertierte Version ihres ehemaligen Wunderlandes. Dabei hat die Kleine sogar noch Glück, immerhin muss sie in den wachen Phasen nicht als Kinderprostituierte in den schmuddeligen Straßen Englands stehen, sondern ist meist in Obhut von Ärzten, Polizisten oder ihrer Puffmuttertante. Der Himmel ist kaum zu sehen zwischen den Reihen brauner Backsteinhäuser, so dreckig zeichnet er sich durch den Kohlerauch. Ebenso schmutzig und degeneriert in Form und Farbe zeichnen sich nahezu alle Personen die man trifft, wenn man zwischen den eigentlichen Leveln Alices Welt erkunden darf. Eine hässliche Welt ist es in der Alice aufwächst, aber wunderschön gemacht. Wunderschön hässlich!

Leider, wirklich leider, sind diese Lichtblicke und Storyanteile in Alice - Madness Returns sehr rar gesät. Tritt man erst mal ins Wunderland ein, so dauert der Aufenthalt jedes Mal einige Stunden. Auch dort ist, zumindest meistens, eine stimmige Optik und Atmosphäre vorhanden, allerdings macht gutes Art-Design noch kein Spiel. So springt und kämpft sich Alice, deren Outfit sich netterweise immer stimmig zum Levelthema ändert, mit leidlicher Herausforderung und Abwechslung durch die ewig langen Levels. Die eigentlichen Sprungpassagen gehen dabei gut von der Hand. Kameraprobleme kommen zwar gelegentlich auf, aber wer den rechten Stick zu bedienen weiß, sieht immer anhand seines Schattens seine Landeposition. Und wer einmal korrigieren muss freut sich daran, dass Alice einen Dreifachsprung beherrscht, sowie auch, dank ihres Kleides, ein Stück durch die Luft gleiten kann. Fällt man dann doch mal in ein Loch verliert man kein Leben und erscheint direkt vor der letzen Absprungkannte. Frustfreiheit ist garantiert, es sei denn bei vereinzelten Passagen die auf Zeit gehen. Das sind meistens diverse Schalterrätsel, in denen man einen Bodenplatten-Schalter betätigt bzw. beschwert, um eine gewisse Tür oder Plattform zu erreichen. Wem Bodenschalterrätsel zu doof sind, der freut sich über Hebelschalter, Kettenschalter und 'Schieß auf mich'-Schalter. Wenn man einen Schalter auslöst, um einen anderen Schalter auf Zeit sichtbar zu machen, um ihn zu betätigen, damit eine Plattform erscheint, mit der man dann noch einen dritten Schalter erreichen kann, dann weiß man: Abwechslung wird groß geschrieben! Sätze in denen sich andauernd ein Wort wiederholt sind doof!

Natürlich gibt es noch mehr Elemente, wobei Sie alle eines gemeinsam haben. Es kommen wenige hinzu und sie ziehen sich danach durch das ganze Spiel. So wird Alice z.B. im ersten Level noch, im technoiden Abschnitt des Wunderlands, von Dampfventilen in der Luft aufgefangen und getragen, welche Später einfach durch Dampf ausstoßende Vasen oder Spielkarten (?!) getauscht werden. Wirklich an ein Level gebundene Spielelemente gibt es wenige und da sich die Art der Einbindung und Komplexität kaum ändert, verkommen sie schnell zum stupiden Ausdauertest. Viel mehr als die Kulisse ändert sich folglich nicht. Dass Schalter und Kistenrätsel auch für einen Spieleveteranen noch interessant sein können beweist Portal 2; Alice - Madness Returns bringt diese Aufwertung altbekannter Spielelemente nicht im Ansatz mit. Selbst bei auflockernden Minispielen versagt Alice bisweilen. Ein erst willkommen wirkender 2D Abschnitt wird in kürzester Zeit mehrfach wiederholt, ein eingestreuter unterwasser Sidescroller Shooter spielt sich behäbiger als sein über 20 Jahre altes 'Super Mario Land'-Pendant und für Bild-Verschiebespiele gibt es auch keinen Originalitätspreis.


Welch wunderschönes Wunderland... noch!

Ein wichtiges Jump'n Run Element ist seit jeher das Sammeln. Seien es Münzen, Ringe, Diamanten oder Puzzleteile. Auch in Madness Returns gibt es einiges zu holen, mit sehr unterschiedlichen Relevanzen. So gibt es diverse Flaschen in den Levels, die scheinbar keinerlei Sinn und Zweck erfüllen, außer die Statistik oder Achievements aufzuwerten, sowie verlorene (Audio-) Fragmente aus Alices Erinnerung. Vieles davon findet sich an leicht versteckten Orten und bedarf Alices Fähigkeit sich schrumpfen zu können. Damit passt sie nicht nur durch Schlüssellöcher (am Boden) sondern kann auch diverses, sonst 'fast' unsichtbares Allerlei sehen. Als da wären ganze Plattformen und Wege sowie nützliche Hilfestellungen, die an die Levelwände gekrakelt wurden. Da teilweise ganze Abschnitte nur aus unsichtbaren Plattformen bestehen, ist man mit der Schrumpfsicht schnell soweit sie alle paar Sekunden zu aktivieren, womit man sich so direkt noch die Lösung auf mancherlei Rätsel spoilert.


Die Herz Königin herrscht mit Level4 über die Häfte der Pressescreenshots!

Last aber definitiv nicht Least sammelt man allerlei Zähne. Die stellen in diesem Fall das nötige Geld dar, um eure Waffen aufzurüsten. Derer hat Alice so einige! So schnetzelt sie mit der Vorpal-Klinge im Nahkampf um sich, zersprengt mit ihrem Steckenpferd jede Verteidigung; mit der überkochenden Teekannenkanone sogar auf Distanz. Eine übergroße Pfeffermühle hält als Minigun-Ersatz her, ferngezündete Bomben beschweren nicht nur Schalter sondern auch Feindesleben und zu guter Letzt reflektiert euer Regenschirm herannahendes Feindfeuer. Wahlweise legt man einfach los und schaut was man trifft oder aktiviert die Zelda-typische Zielhilfe in der man seinen Gegner auf loggt und ihn fortan umkreist und (meistens) im Blickfeld behält. Das Kämpfen macht eine ordentliche Portion Spaß und verlangt auch eine dezente Portion Grips, denn die Schwächen der einzelnen Gegner wollen gelernt sein. So sind Manche so gut wie unantastbar, es sei denn ihr lasst sie z.B. zustoßen, weicht im letzten Moment via Tastendruck aus und greift Sie von hinten an, während sich ihre Waffe verhakt hat; oder dreht einen euch verfolgenden Gegner mittels hinterlegter Bombe auf die angreifbare Seite, um ihm dann Saures geben zu können.


Alice - Madness Returns : Strengstes Jugendverbot dank 'Gambling'!

So springt man durch die wenigen, meist ansehnlichen und im Kern kompetenten aber unendlich weiten und langen Level. Nur unterbrochen von ein paar Arenakampf-Lichtblicken und auf der Suche nach dem nächsten der rar gesäten Zwischenspiele, um mehr über den Tod der Familie Liddell heraus zu finden. Höhepunkte sind dabei selten, erzählerisch wie spielerisch, durch die wirre Erzählart des knappen Inhaltes und das fehlen von Endgegnern. Die gewisse monotonität wird durch die Musik gut unterstützt, die zwar atmosphärisch aber völlig ohne jede Melodie aus den Lautsprechern plätschert. Grafisch gibt sich das Spiel dagegen nur selten die Blöße, auch wenn einige Texturnachlader das Bild für Manche etwas trüben mögen. Gerade die Figur der Alice ist auch von technischer Seite unglaublich gut gemacht, mit den wohl schönsten Haaren die jemals in einem Videospiel zu sehen waren. Wenn diese im Wasser schweben, im Luftstrom verwirbelt werden oder der Protagonistin ins Gesicht fallen, sieht man das eine Physik Engine nicht nur für den physikalisch korrekten Fall von Polygonleichen verwendet werden kann.

Fazit | So komisch das auch klingen mag, so sind die Haare der Alice mein persönliches Highlight an Alice - Madness Returns, gefolgt von den Stimmungsvollen Umgebungen... selbst wenn mir Gegner wie die Ninja-Killerwespen irgendwie beim Lesen der beiden Bücher entfallen sein müssen. Auch das Kämpfen macht einen Heidenspass, kombiniert es Action mit typisch japanischer Endgegner-Taktik und zu lernenden Verhaltensmustern. In ein paar Belangen versagt das Spiel jedoch kläglich, ironischerweise dadurch indem es versucht alles richtig zu machen. So ist es nahezu frustfrei in den Sprungpassagen, dadurch aber bar jeder Herausforderung und die Spiellänge sehr ordentlich, die Levels in sich dadurch aber viel zu lang und abwechslungsarm. Stellt sich die Frage für wen Alice - Madness Returns empfehlenswert ist. Als recht einfaches Jump'n Run ist es eigentlich für Kinder prädestiniert, ist aber eindeutig nicht für Kinder gedacht oder geeignet, wenn sich Alice in einer Zwischensequenz das Fleisch vom Schädel kratz. Zudem könnten die Kämpfe für Unerfahrene bereits wieder zu anspruchsvoll ausfallen. Jeder passionierte, volljährige Spieler langweilt sich in den Jump'n Run Abschnitten dafür zu Tode. So bleibt ein netter aber keineswegs berauschender Zeitvertreib für Leute, die gerne auch mal auf eine Herausforderung verzichten können und sich mittels hübscher Bilder und soliden Spiel unterhalten wollen und/ oder auf minderjährige Gothic-Lolitas stehen. Gute:

  -  DS_Nadine

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