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Ausgewählter Test:
Review
  THE 3RD BIRTHDAY
  [ PlayStation Portable ]   
THE 3RD BIRTHDAY SquareEnix meint es gut mit PSP Besitzern, platzieren Sie doch in steter Regelmäßigkeit neue gute bis hervorragende Titel für Sonys verschmähtes Handheldsystem in den Händlerregalen. Leicht macht man sich die Sache in diesem Fall dabei wirklich nicht, denn neben der Hardware-Plattform ist 'The 3rd Birthday' nicht nur ein Sequel zu einer Serie deren erster Teil bei uns nie erschien, auch das Shooter-Genre, in dem der Titel sich bewegt, ist, mangels zweitem Analogstick, keine Stärke der Hosentaschenkonsole.

Doch erst mal etwas Geschichtsunterricht: The 3rd Birthday ist der dritte Teil der 'Parasite Eve'-Serie. Der in Europa nicht erschienene Erstling, damals auf der Playstation 1, war eine neuartige Mischung aus Survival-Abenteuer und Mystery im Rollenspielkleid, verpackt in einer spannenden wie glaubhaften Storyline. In der entledigen sich die Mitochondrien, die Energiekraftwerke der Zellen die mit Menschen und Tieren in Jahrelanger Symbiose leben aber eigene Lebensformen sind, ihrer Wirte und evolvieren mit ihnen zu neuartigen Lebensformen. Ein Szenario nicht zu abwegig, basiert es auf realen Erkenntnissen die Autor Hideaki Sena, seinerseits immerhin Pharmakologe, im gleichnamigen Roman zu Papier brachte. Parasite Eve 2 schloss an die Geschehnisse mehr oder minder bündig an, verwarf die Spielmechanik aber komplett zugunsten einer jugendfreieren Variante der frühen 'Resident Evil'-Teile. Heldin in beiden Abenteuern, da ihre Menschliche DNA stärker war als die sich auflehnenden Mitochondrien in ihr, war die (damals noch) junge Polizistin Aya Brea.

Kleidung zerreist und Wunden spriessen im Spielverlauf!
Zurück zu The 3rd Birthday! An Weihnachten 2012 reißen in Manhattan auf einmal riesige, wurzelartige Strukturen den Erdboden auf und bringen eine feindliche Lebensform, die 'Twisted', mit sich. Ein Jahr später ist die Menschheit bereits kurz vor dem Exitus, dennoch gibt es einen Funken Hoffnung. Eine Maschine die die Seelen ihrer Nutzer in die Vergangenheit reisen lassen kann, damit sie dort die Körper anderer Personen übernehmen können und die Vergangenheit umschreiben. Dummerweise gibt es nur eine Person die dieses Gerät benutzen kann. Die mittlerweile bestaussehendste Vierzigjährige aller Zeiten!

Wer jetzt meint detaillierte Storykenntnisse der Vorgängers zu benötigen kann beruhigt sein. Weder baut die Story auf den Ereignissen der ersten Teile auf, noch muss man die Protagonistin kennen. Denn die kennt sich dank Gedächtnisverlust selbst nicht mehr.
Auch The 3rd Birthday verwirft die Spielmechaniken seiner Vorgänger und bekleidet diesmal das Genre des 3rd Person Shooters. Nicht jedoch ohne den ein oder anderen Twist und auch nicht ohne Rollenspielfreunden zumindest etwas Anlass zur Freude zu geben.

Reist man in die Vergangenheit und nimmt an einer entscheidenden Schlacht teil, hat man zugriff auf die Waffe desjenigen in den man seine Seele transferiert hat, sowie bis zu Drei Waffen die man selbst mitnimmt. Neben blanken Schiessereien wartet The 3rd Birthday aber mit einer Reihe an Eigenheiten auf. So hat man auf dem Schlachtfeld jederzeit die Möglichkeit in eine andere Person zu tauchen, sei es um einen besseres Schussfeld zu haben oder sich kurz vor dem Ableben in Sicherheit zu bringen. Aber Vorsicht! Wer achtlos alles was auf dem Schlachtfeld rumspringt ungeschützt in den Tod schickt, findet bald keinen neuen Körper mehr in den er tauchen kann und stirbt. Taktik ist also gefragt und das nutzen von Deckung.
Wer lange genug auf einen Gegner zielt kann seinen Kameraden befehlen den markierten Gegner unter 'Kreuzfeuer' zu nehmen. Der verliert dadurch nicht nur rapide an Lebensenergie, auch Geistig wird er labiler, so dass man seine eigene Seele via 'Overdive' in ihn fahren und ihm von Innen heraus den Todesstoß versetzen kann. Wer das ein paar Mal gemacht hat füllt damit einen Extra-Balken, genannt 'Liberation'. Löst man den aus ist Aya irrsinnig schnell und stark, aber auch verletzlich.
Den Umgang mit verschiedenen Waffenklassen verbessert man durch rege Benutzung, durch die man wiederum diverse Upgrades Freischalten kann, die u.a. Zielgenauigkeit oder Durchschlagskraft verbessern. Daneben findet man immer wieder vereinzelte DNA Fragmente, die man auf ein (später wechselbares) 3x3 Feld Platzieren kann. Stapelt man Fragmente der gleichen Klasse aufeinander verbessern sich die entsprechenden Fähigkeiten. Als da wäre z.B. Heilung für alle Kameraden die bei einem 'Kreuzfeuer' mitmachen, schnellere Regeneration, bessere DNA-Fragment Drops oder kürzere Nachladezeiten.

Ausweis zeigen für Alkohol?! Ich bin schon 40 Jahre alt!!!
Wem auffällt das ich erstaunlich wenig von der Story verrate, hat eine gute Beobachtungsgabe. Die Geschichte und die Atmosphäre macht dem Erstling alle Ehre, wenn auch das (abgeschlossene) Ende etwas abfällt. Jedem Freund von ein bisschen Weltuntergangsszenario und Mystery sei The 3rd Birthday wärmstens ans Herz gelegt, ohne das ich die Überraschungen kaputt mache. Nur soviel noch: Um den Überblick zu behalten sollte man öfters in die Zeitleiste oder Personalakten im örtlichen Computer schauen, denn Zeitreisen haben die Angewohnheit etwas zu verändern, ohne das die Leute um einen herum davon etwas mitbekommen würden.
Das führt gleichzeitig dazu, dass alle Ballerfreunde, denen die Story am Allerwertesten vorbei geht, diese Elemente einfach überspringen und das Spiel ohne große Unterbrechungen genießen können.
Lecker Ersatzkörper auf 3 Uhr!
Technisch ist The 3rd Birthday ein Brett. Die Rendersequenzen sind phantastisch, die Spielgrafik würde auch einer Wii gut zu Gesicht stehen, der tolle Soundtrack ist unglaublich Umfangreich, die (nur englische) Lokalisierung gut und auch die Steuerung geht ungeahnt effizient von der Hand. Eine etwas fummelige Möglichkeit zur manuellen Kamerausrichtung via D-Pad existiert auch, ist aber dank Zielhilfe und schneller Positionierung hinter dem Rücken der Protagonistin nach wenigen Schritten glücklicherweise obsolet.

Fazit | The 3rd Birthday gewinnt auf fast allen Ebenen. Kenner der Vorgänger freuen sich ebenso über ein Wiedersehen wie Neueinsteiger, die ein spannendes und gut von der Hand gehendes Shooter-Abenteuer erhalten. (Lediglich beim Verständnis des (unverhofft kitschigen) Endes sind Veteranen etwas im Vorteil.) Die Euphorie wird aber teilweise deutlich durch manche Designentscheidung ausgebremst. So wird neben Shooter Schläuchen oder Arenen auch zur Abwechslung u.a. die ein oder andere Geschütz-, Hubschrauber- oder Fluchtsequenz geboten. Die Intention in allen Ehren, aber Fluchtsequenzen mit Gegnern die einen bereits auf 'Normal' mit einem Schlag töten können, können ziemlich frustrierend sein - hier wird tatsächlich Survival-Horror geboten. Wenn es durch so etwas hektisch wird und man wie wild von Wirtskörper zu Wirtskörper springt, verliert man schnell mal die Übersicht und sein Leben, auch geschuldet durch die nur über das Pause-Menü anzeigbare Umgebungskarte. Auch wachsende Wurzelranken die ein Gebiet begrenzen, Orbs die man erledigen muss um eben diese Wurzel-'Schranken' zu öffnen und an manchen stellen unendlich nachwachsende Gegner bis zu einer Triggergrenze, sind unnötig unverhohlene Levelstrukturen, die mich schaudernd an 'Quantum Theory' erinnern. Im Gegensatz zu dem genannten Titel überwiegen aber die lichten Momente in The 3rd Birthday. Die Kämpfe sind spannend wie fordernd und die genannten Schnitzer eine, teilweise sogar Umgehbare, Randerscheinung. Wer am Ende des rund Zehnstündigen Spiels noch nicht ganz durch das Ende durchsteigt, der hat die Möglichkeit mit allen seinen Werten einen neuen, schwierigeren Durchgang starten zu können und allerlei Goodies frei zu schalten. Auch wirklich erst dann sollte man sich auf den höheren Stufen probieren, warum die Auswahl per Default auf 'Hard' steht, bleibt mir derweil ein Rätsel. So oder so, Meckern auf höchstem PSP-Niveau! Sehr, sehr gute:   -  DS_Nadine

Links:
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