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| TOTAL WAR: SHOGUN 2 |
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Nach sechs Spielen und diversen Addons bzw. neudeutsch DLCs, kehrt die 'Total War' Reihe
mit Shogun 2 zu ihren Wurzeln zurück. Man könnte meinen dass nach über 10
Jahren Marktpräsenz alle Mechanismen schon ausreichend erprobt sind und sich die Spiele nur noch
im Setting unterscheiden. Doch wie jede gute Reihe zeigt auch 'Total War' dass dem nicht so sein muss.
Wie gehabt kommandiert man eine zu Spielbeginn gewählte Fraktion und versucht in einem
bestimmten Zeitlimit die Herrschaft über das gesamte Land zu erringen, wozu es verschiedene Mittel
gibt. Wie der Name schon sagt kehrt 'Shogun 2' dorthin zurück wo das erste Spiel angesiedelt
war, nach Japan, genauer ins 16. Jahrhundert. Das Ashikaga-Shogunat nähert sich nach ca. 200 Jahren
seinem sichtbaren Ende und es wird Zeit dass einer der vielen Clans Japans die Herrschaft übernimmt.
Hier greift der Spieler ein und entscheidet sich zu Beginn für einen der 10 Clans, die sich in
Ausgangslage, Spezialisierung und auch der Schwierigkeit unterscheiden, bestimmt den Schwierigkeitsgrad
und wählt aus ob er eine kurze, lange oder gar eine Weltherrschaftskampagne spielen will. In jedem
Fall muss er einige bestimmte Provinzen auf der Karte einnehmen, darunter den Shogun-Sitz Kyoto und eine
bestimmte Zahl weiterer, teils festgelegter, Provinzen. Die Dauer der Kampagnen variiert dabei von 30
bis maximal 55 Jahren, wobei jedes Jahr in 4 Spielzüge, entsprechend den Jahreszeiten, unterteilt
ist. Wer möchte kann nach dem Ende des Zeitlimits, unabhängig davon ob man die Ziele erreicht
hat oder nicht, noch beliebig weiterspielen.
Alle Screenshots sind wiedermal Ingame, für ein Strategiespiel
wirklich sehr ansehnlich. |
Zusätzlich kann man sich noch weitere Optionen einstellen, aber auch mit den normalen Auswahloptionen
kann sich wohl jeder genau die Art von Spiel zusammenbauen die er bevorzugt. Das Tutorial zeigt den Serienkennern
die Unterschiede zu den früheren Teilen und versucht Neulinge an die Materie heranzuführen. Letzteres
gelingt leider nur teilweise. Obgleich das Spiel einiges von seinem Verwaltungsaufwand der letzten Teile
verloren hat, gibt es gerade für Neulinge doch viel zu lernen. Man wird also die ein oder andere Kampagne
noch als Übungsrunde angehen müssen.
Neben den klassischen Kampagnen kann man zusätzlich noch eine Reihe historischer Gefechte spielen,
dazu gibt es den obligatorischen Mehrspielermodus, auf letzteren kommen wir später nochmal zu sprechen.
Man kann aber schon verraten dass sich die Macher Mühe gegeben haben, sowohl dem Solo- als auch Mehrspielermodus
ein paar neue Akzente zu verpassen.
Das Spiel selbst teilt sich nochmals auf in einen Taktik- und einen Strategiemodus. In letzterem verwaltet man auf
der Japan-Karte seine Provinzen, legt Bauvorhaben fest, hebt neue Truppen aus, führt Diplomatie und was man sonst
noch so alles als angehender Shogun auf seinem Tagesplan stehen hat. Ebenso bewegt man hier seine Truppen und Agenten
herum. Kommt es zum Kampf kann man der KI das Gefecht überlassen oder aber auf Wunsch in den Taktik-Modus wechseln
und selbst das Kommando führen. In diesem Fall gibt es anfangs eine hübsch gemachte Anfeuerungsrede eures
Anführers, zwar in Ingame-Grafik aber die muss sich alles andere als verstecken. Nachdem ihr dann Formationen,
Gruppierungen und vor allem die Aufstellung bestimmt hat kanns auch schon losgehen. In der Regel spielt die KI meist
eher mäßig, daher lohnt es sich gerade bei Schlachten mit ungewissem Ausgang lieber selbst die Kontrolle
zu übernehmen.
Eine Besonderheit ist der neue 'Drop-In'-Modus. Bevor man sich entscheidet selbst zu kämpfen oder die KI
übernehmen zu lassen, kann man auswählen ob die Schlacht für 'Drop-In' freigeschaltet ist.
In diesem Fall sucht das Spiel sofort Online nach anderen Spielern die gerade verfügbar sind und drückt
ihnen das Kommando über die feindlichen Truppen in die Hand. Ab und an muss man ein Weilchen warten bis sich ein
Spieler findet, aber dafür kriegt man so meist einen deutlich unterhaltsameren und auch fordenderen Kampf. Denn
obgleich sich die KI im Strategiemodus recht geschickt anstellt, muss man sie bei den Schlachten als doch eher schlicht
gestrickt bezeichnen. Besonders ärgerlich war die Tatsache dass die KI eigene Unterstützungsarmeen immer
wieder mal garnicht erst in Bewegung setzte, sondern sie gemächlich am Kartenrand ausharren ließ bis
entweder die Schlachtzeit verstrichen ist, oder man als Spieler die Einheiten selbst alle vernichtet hat. Hier
sollten die Entwickler doch bitte rasch mit einem Patch nachbessern.
Wie erwähnt ist das Spiel etwas weniger Komplex gehalten. Die Verwaltungsoptionen sind nicht so umfangreich
wie im Vorgänger und auch die Menge der verschiedenen Einheiten bewegt sich diesmal in einem überschaubaren
Rahmen. Langweile kommt dennoch nicht auf, da man alle Einheiten mit diversen Boni und Sonderfähigkeiten aufrüsten
darf. Bis man diese ganzen Optionen, welche hauptsächlich durch die gebauten Gebäude, den Rekrutierungsort und
die erlernten Künste bestimmt werden, alle verinnerlicht hat vergehen einige unterhaltsame Abende.
Die letztgenannten Künste stellen übrigens den Forschungsbaum dar. Hier kann man grundlegend zwischen
militärischen und zivilen Künsten unterscheiden, aber jederzeit bestimmen welche verfügbare Kunst nun
als nächstes gelernt werden soll.
Bei der Provinzverwaltung wurde am meisten reduziert, abgesehen von den Bauvorhaben kann man nur noch die
Besteuerung aktivieren oder deaktivieren. Alles andere wird indirekt verwaltet, entweder durch eingesetzte Agenten,
lokale Armeen oder Verwaltungsmöglichkeiten auf zentraler Ebene, welche dann alle Provinzen betreffen. Allerdings
ist dies kein echter Nachteil. Das Spiel gewinnt dadurch an Übersichtlichkeit und hilft weiterhin den großen
Überblick zu behalten. Gleichzeitig bieten die Künste und die Gebäudeoptionen genug Möglichkeiten
eine Provinz nach Belieben zu gestalten und immer weiter zu perfektionieren. Mehr Optionen wären sicherlich nett,
aber nach einigen Partien hat man sich schnell daran gewöhnt und ist doch froh so pro Runde nicht unnötig
viel Aufwand auf die einzelnen Provinzen verwenden zu müssen, denn auch so hat man schon genug zu tun.
Insbesondere der Seehandel mit Nachbarnationen, Pirateriebekämpfung und die Flottenverwaltung können
bei genug Mühe fast ähnlich aufwendig werden wie die Steuerung der Landtruppen. Da Japan rundum von
Wasser umgeben ist und somit fast jede Provinz auch von See aus erobert werden kann, macht sich dieser zweite
Schwerpunkt sehr gut.

Alle Wege führen nach Kyoto - Pflichtroute für angehende Shogune.
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Doch nicht alles muss mit Waffengewalt erreicht werden. Mittels Diplomatie lassen sich die obligatorischen
Handelsverträge und Bündnisse schließen, aber ebenso Handelsembargos und Kriegsbeitritte arrangieren.
Mittels Verheiratungen oder Geißeln lassen sich Partnerschaften zudem absichern. Einzig eine Option zur Abtretung
von Provinzen fehlt hier leider. Ein Handelskrieg, oder massiver Druck durch Isolation ist zwar möglich, aber
schlußendlich führt nie ein Weg daran vorbei mit einer mehr oder minder großen Armee die feindliche
Provinz einzunehmen. Das fällt nach einem finanziellen Aushungern des Gegners zwar deutlich leichter, aber warum
man nicht eben auch Provinzen als Tribute verhandeln kann bleibt leider unverständlich.
Ein weiteres und nicht zu verachtendes Instrument sind die Agenten. Im Gegensatz zu früher müssen
diese nun separat rekrutiert werden, auch hier bieten lokale Spezialisierungen und einige Gebäude wieder diverse
Boni. Während der Ninja die Bereiche Attentat und Sabotage übernimmt, kümmert sich der Metsuke um die
öffentliche Ordnung, Spionageabwehr und eben Sicherheit. Der Mönch als letztes ist für die religiöse
Moral zuständig und kann mit entsprechender Erfahrung auch Aufstände herbeiführen.
Genau wie auch die Generäle können alle Agenten bei genug Erfahrungsgewinn in ihren jeweiligen
Talentbäumen aufsteigen und neue Fertigkeiten erlernen, ebenso kann man ihnen hilfreiche Gegenstände oder
Gefährten an die Seite geben. Des weiteren erhält jede Figur im Laufe ihrer Entwicklung einige zusätzliche
Eigenheiten auf die man als Spieler nur wenig Einfluss hat. Im Test wurde unser Haupt-Ninja nach einer langen Reihe
erfolgreicher Attentate schließlich mit dem Attribut 'brutal' versehen, frei nach dem Motto 'Hauptsache Spaß
bei der Arbeit'.
Auch zur See wird gekämpft, und das nicht zu knapp. |
Wer nicht alleine Spielen will kann Online im Avatar-Modus Strategie-Gefechte ausspielen. Dabei erhält man
für eroberte Provinzen neue Einheiten, sammelt Erfahrung und kann seinen eigenen General auch optisch aufwerten.
Daneben gibt es einen Kooperativ-Modus für das Kampagnenspiel in dem man mit einem Mitspieler mit- oder gegeneinander
gegen die restlichen Clans antreten kann. Während der Avatar-Modus eher für kurzweilige Schlachten geeignet ist,
ist der Kooperativ-Modus naturgemäß ein ungemeiner Zeitfresser. Aber wer einen Weg sucht ein verregnetes
Wochenende zu verbringen ist hier genau richtig aufgehoben, zudem man auch jederzeit speichern und später fortfahren kann.
Technisch präsentiert sich das Spiel angenehm genügsam und zaubert dennoch eine schöne bis opulente
Grafik auf den Bildschirm. Gerade in den Schlachten ist es immer wieder ein Vergnügen die in Nahaufnahmen sehr
detailierten Einheiten bei ihrem Tagewerk zu beobachten. Das gefällt und ist ein nettes Sahnehäubchen wenn
die eigene Strategie gerade einen Gegner erfolgreich in Grund und Boden schießt. Wer mag kann auch während
der Schlacht einfach nur die wachsenden Leichenberge betrachten, der Serientitel ist hier eben Programm.
Von der Handhabung gibt's ebenfalls nichts zu meckern. Die Steuerung ist eingänglich, die Menüs übersichtlich
und keineswegs zu verschachtelt oder umständlich strukturiert. Hier und da muss man etwas suchen bis man
rausgefunden hat wo das Spiel eine bestimmte Information anzeigt, aber hat man sie einmal gefunden merkt man es sich
auch leicht, da die grundlegende Struktur sehr sinnvoll aufgebaut ist. Ladezeiten gibt es nur wenige und die KI-Runden
ziehen sich am Anfang der Kampagnen manchmal etwas, entsprechend der zu Beginn noch hohen Zahl an vorhandenen KI-Spielern.
Köln verliert im Heimderby gegen die Gäste aus Schalke, und mit ihnen
gleich ihre Provinz. |
In der Praxis ergeben alle diese Elemente einen ziemlich runden Eindruck, auch wenn Neulinge wohl ein wenig Zeit
benötigen bis sie alle Elemente verinnerlicht haben. Ein wenig mag dies vielleicht auch daran liegen dass die
diversen japanischen Bezeichnungen für die meisten hierzulande wohl etwas gewöhnungsbedürftig sind.
Man merkt den Entwicklern ihre lange Erfahrung an. Die Reduzierungen sorgen für einen flotten Spielablauf,
ohne dass man sich merklich eingeschränkt fühlt. Sowohl im Strategie- als auch im Taktikmodus sind
unterschiedlichste Vorgehensweisen möglich, wobei gerade der Taktik-Modus von der neuen 'Drop-In'-Funktion sehr
profitiert. Die KI würde im Strategie-Modus dennoch von einem ordentlichen Patch sicher profitieren. Da der oben
erwähnte Bug aber inzwischen in der Community für einigen Unmut sorgt, darf man hoffen dass Creative
Assembly hier rasch reagieren wird. Dank der Steam-Pflicht des Spiels, würden die Spieler solch einen Patch
immerhin automatisch erhalten und müssten nicht selbst prüfen ob er inzwischen verfügbar ist.
Persönlich hätte ich mich gefreut wenn es ein halbwegs brauchbares Handbuch gegeben hätte. Die
Ingame-Spielhilfe ist zwar absolut vorbildlich gestaltet und beantwortet alle Fragen, doch ich oute mich noch zu der
Generation zugehörend, die Abends dann auch gern mal als Bettlektüre ein ausführliches Handbuch studiert
und dabei mal neue Strategien im Kopf durchkaut. Dafür entschädigt allerdings der hohe Suchtfaktor welcher
nach einer gewissen Einarbeitung zuverlässig wie ein Uhrwerk greift. Die Möglichkeit der Spezialisierung
meiner Agenten und Generäle, sowie die Erfahrung sammelnden Armeen befriedigen dann auch gleichzeitig meine
Rollenspiel-Ambitionen aufs beste.
- Alexander Lachwitz
Links:
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