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Ausgewählter Test:
Review
  POKÉMON - WEISSE EDITION
  [ Nintendo DS ]   
POKÉMON - WEISSE EDITION Es gilt, wieder mal die rot- weisse Kappe aufzusetzen, den Ranzen und die Wanderschuhe zu schnüren:
Für Nintendo DS gibt es eine neue Ausgabe des erfolgreichen Suchsammelkampfspiels 'Pokémon', das so viel zum Erfolg der japanischen Firma und ihrer diversen Taschenspielkonsolen beigetragen hat.
- Peter Schaaff





Tag 1
Der Start gestaltet sich wie aus den zahlreichen Versionen vergangener Jahre her gewohnt: mit dem ersten, wieder aus drei zur Auswahl stehenden zu wählenden Pokémon geht es los. Erfreulich kurze 'Gespräche' mit Mutti, meinen zwei Freunden oder Frau Professor Esche bringen die hinlänglich bekannten Tipps & Erklärungen zum Sinn und Zweck beim Spiel. Ich erkunde mit meinem Floink die nähere Umgebung meines Heimatdorfes, bestreite die ersten Kämpfe und fange weitere Pokémons, die ich in mein Team aufnehme. Nach und nach finden Hilfstränke, erste Pokébälle und diverse mechanische Hilfsmittel für meine Karriere als Pokémontrainer den Weg in eine meiner zahlreichen Taschen.
Gefühlt scheinen die Kämpfe etwas anspruchsvoller als in der zuletzt von mir gespielten, vorletzt erschienenen Perl-Edition. Bei dem ersten Arenaleiter braucht es sogar drei Anläufe, bis eine Kombination von Floink und dem Gestein-Pokémon Kiesling den Sieg davonträgt. In der ersten Arena hat es nämlich ein Trainertrio mit jeweils anderer Ausrichtung (Feuer, Wasser, Stein), das aus seinen Reihen den Gegner für mich entsprechend meiner vorhandenen Pokémons wählt.
Von den nun bis zu knapp 600 verschiedenen verfügbaren Pokémons in der aktuellen Edition bekomme ich auf den ersten 3 Routen nicht viele zu Gesicht. Gestein-Pokémon Kiesling aus der ersten erreichbaren Höhle hat es mir mit seiner Robustheit gleich angetan und wird sicherheitshalber mit Superball gefangen, bevorzugt behandelt und zusammen mit meinem Starter-/ Feuer-Pokémon Floink fleissig gelevelt.
Tag 2
Schon bald taucht in der Geschichte Team Plasma auf, ein organisierter Haufen ritterähnlich gekleideter Pokémon-Trainer mit sehr unlauteren Absichten. Sie klauen anderen Trainern die Pokémons, um sie angeblich zu befreien und zu entknechten. Ihre Anführer verstehen mit salbungsvollen Worten die Räuberei schönzureden.
Ha - die frechen Buben von Team Plasma als Tierbefreier? Ich als Pokémon-Trainer ein die kleinen Racker für meine menschlich- niedrigen Bedürfnisse ausbeutender Schinder und Egomane? Da muss aber erst mal gegengehalten werden. Los, Floink - Nitroladung!

Mit dieser schön animierten Feuerattacke gelingt es mir eindrucksvoll, die Pokémons meiner Gegner aus dem Ring 'zu brennen'. Und weisen sie im seltenen Fall, z.B. weil Wasser-Pokémon, eine Feuerresistenz auf gibt es Haue mit der Kampfattacke Armstoß. In ganz harten Fällen springt Gestein-Pokémon Kiesling ein, dem herkömmliche Gewaltattacken wenig ausmachen und der selber gerne Mehrfachohrfeigen per Lehmschelle verteilt.
So vereitle ich diverse Diebstähle bzw. entreisse den Dieben mit dem mittlerweile zu Ferkokel weiterentwickelten Floink wieder die Beute. Auch bei der zweiten Arenaleiterin reicht es recht problemlos zum Sieg. Sehr nett dabei die vorher zu lösenden (einfachen) Bücherrätsel, um zu ihr zu gelangen
Tag 3
STRATOS CITY ist eine beeindruckende Stadt. Die Mega- City kommt mit Pseudo- 3D- Grafik, einem wuseligen Strassentreiben, schicken Lichteffekten und zahlreichen, zu erforschenden Läden, Häusern, Plätzen und dunklen Ecken daher. Zusammen mit dem dortigen Arenaleiter gilt es hier, dem obskuren Team Plasma mal wieder die Grenzen aufzuzeigen und ihrem unguten Tun Einhalt zu gebieten. Dabei entwickelt sich schon ein fast rollenspielartiges Geschehen, in dem diverse Charaktere auftauchen und mittun. Nebenbei gilt es, brasilianisch anmutende BreakDancer als Tanzensemble zusammenzuführen oder ein Elektro- Pokémon als Standmodel für einen örtlichen Maler zu organisieren.

Die ganze Hintergrundgeschichte wirkt flott erzählt, für ein Pokémon-Spiel abwechslungsreich und anspruchsvoller als in früheren Editionen. Die Routen zwischen den Städten mit ihren Pokémon-Centern und -Arenen sind bisher überschaubar und nerven nicht durch endlose Zufallskämpfe oder sackgassengespickte Labyrinthe.

Meinem Kumpel, dem hiesigen Arenaleiter und gemeinsamen Streiter wider die rüden Team Plasma lasse ich beim Duell keine Chance. Während Kiesling seine Insekten-Pokémons mit 'Steinwurf' wegbügelt brennt Ferkokel in der ersten Runde alles andere weg, was der arme Mann an den Start bringt. Ich fühle mich als Weltvernichter und möchte die ganze Stadt fressen!

Tag 4
Doch schon auf der anschließenden Route 4, die mir zur nächsten Stadt führt, erfährt mein Weltherrschaftsanspruch und Glaube an die Unbesiegbarkeit meines herrlichen Duos einen mächtigen Dämpfer. Das dort anzutreffende Wüstenkroko lacht (mehr oder weniger) über die Feuerattacken meines Ferkokel, verhindert mit 'Folterknecht' wiederholte 'Steinwürfe' meines Kieslings und bindet mit 'Sandgrab' den früh gefangenen aber machtlosen Psycho Somniam an den damit für ihn aussichtslosen Kampf. Boaaa - was´n Sch ...
Zum Glück kann ich gegen die örtlichen Angler (am See, links der Route 4), die stets nur ein pyranha-ähnliches Pokémon an den Start bringen, mein vielversprechendes Pflanzenkind Lilminip schwer aufleveln. Mit 'Schlafpuder' (der Gegner schnarcht sofort weg!) und abschließend dem mir schon aus früheren Spielen wohlvertrauten 'Megasauger' (schädigt den Kontrahenten und gibt es dem Anwender als KP - herrlich!) sind die Fische keine Gegner und ich kassiere schnelles Geld und Lilminip einen explosionsartigen Levelanstieg gegen diese eigentlich 'höheren' Pokémon.

POKÉMON - WEISSE EDITION Ich fange das Wüstenkroko mit Lilminip. Der biestige Bursche wird jetzt für die gute Sache, nämlich meine, eingesetzt - sobald ich ihn am nächsten PC eintauschen kann. Dorthin ist er nämlich aus Platzmangel in meinem aktuellen Team hintransferiert worden.
Der weitere Gang auf Route 4 gestaltet sich trotz Lilminip haarig. Ich ignoriere erstmal den Hinweis auf eine 'interessante Ruine' hier irgendwo in der Wüste und auch die weiteren Trainer am Strassenrand (soweit möglich) und schleppe mich mit den arg gebeutelten oder gar ganz ausgeschalteten Pokémons meines Teams in die Stadt - nur um dort am Eingang mit einem erneuten Überfall des Team Plasma, diesmal auf den Leiter der Pokémon- Pension an der Route 3, konfrontiert zu werden. Es hilft nichts - meine ramponierten Rekruten müssen sich dem Bösen stellen und die Situation retten.

Das gelingt ihnen auch. Team Plasma flieht. Ich lasse mich vom Pensionschef beschenken und besuche dann erst mal das örtliche Pokémoncenter. Für das reichlich verdiente Geld, über 13000 (!!) Einheiten der pokémon´schen Währung, kaufe ich massig hochwertige Pokébälle und KP- Regenerierer. Morgen will ich die Route 4 komplett aufmischen, mögliche neue Pokémons problemlos fangen und auch sonst auf alles gefasst sein.

Tag 5 & 6
In diese Zeit fallen die Nachrichten von den Katastrophen in Japan: Erdbeben, Tsunami, Reaktorkatastrophe - Tausende Menschen sind an der Ostküste der Inselkette ums Leben gekommen, ganze Städte wurden ins Meer gespült, es droht ein Super- GAU (Grösster Anzunehmender Unfall) im Atomkraftwerk Fushida mit unabsehbaren Folgen für uns alle ... doch gerade durch dieses urjapanische Videospiel fühle ich mich den armen Leuten da etwas näher. An dieser Stelle meine besten Wünsche für alle Menschen im Land der aufgehenden Sonne - euch allen ein kleines Pokémon in dunkler Nacht!

Die Orden Nummer vier und fünf befinden sich in meinem Besitz! Mein Kernteam aus Gestein, Feuer und Pflanze ist auf Level 31 gebracht, die Schlacht im Eiscontainer gegen Team Plasma erfolgreich geschlagen, diverse neue Pokémons geschnappt und in der heimischen 'PC Box' geparkt. Dressella hat ihren ersten Auftritt in einem Musical hinter sich, bezaubernd geschmückt mit diversen Dekorationen wie knatterbunten Schleifchen, einem goldigen Sonnenschirm und anderem unsäglichen supersüßen Schnickschnack aus der Grabbelkiste für kleine Mädchen (die natürlich auch ihren speziellen Spaß mit den Pokémons haben sollen - no offense meant).
Doch bis dahin war es ein langer, zuweilen steiniger Weg. Über 17 Stunden klebe ich nun schon am geteilten Klappbildschirm meines Nintendo DS, mein Liebling Ferkokel musste so manche grause Erstschlagsniederlage gegen diverse Pokémons des Typ Boden hinnehmen (was ist furchtbarer, als die KP- Leiste deines Königspokémon wie Butter in der Sonne dahinschmelzen zu sehen?) und Dressella hat es nur 'auf dem (Pflanzen-) Zahnfleisch kriechend' in einem nervenaufreibenden Finish gegen die Pokémons des Arenaleiters Turner in Marea City (zu erreichen über Route 5) geschafft, den Sieg für mich zu erringen.
Egal. Je härter der Gegner desto süßer der Geschmack des Sieges ...

Was mir sauer aufstößt beim Spiel sind weiter die endlosen, ewiggleichen Dialoge gerade auch bei Standardsituationen. Warum braucht es gefühlte zehn Bestätigungen per Knopfdruck, bis mir zum Beispiel die Dame im PokémonCenter meine Lieblinge in den Regenerationsofen schiebt? Was soll ich da sonst wollen an ihrem Schalter? Welchen Sinn macht es für mich, eine Regenerierung abzulehnen (was ja möglich ist)?
Ähnlich unnötig die zahlreichen Zwischenabfragen beim Aktivieren einer TM (Technische Maschine). Oder das sich oft wiederholende TV- Gelaber, daß ohne mehrfaches Bestätigen durch Knopfdruck nicht weiterläuft.
Doch dies sind aber nur kleine Misslichkeiten, die durch die an vielen Stellen stark gebesserte Grafik, abwechslungsreichere Kämpfe mit mehr Strategieanteilen und eine Heerschar neuer, bezaubernder Pokémons mehr als ausgeglichen werden.
Pokémon Weisse Edition ist eine echte Fortsetzung der Spielreihe (und kein Schnellaufguss wie einige andere Teile) mit diversen neuen Mehrspieler- Features (die ich aber leider noch nicht testen konnte), die wohl zu Recht schon diverse Verkaufsrekorde zumindest In Japan gebrochen hat.
Ich will sie diesmal alle haben, die acht zu vergebenden Pokémon-Orden. Und danach in der Liga für Furore sorgen. Und den Champion besiegen. Und Kämpfe mit drei Pokémons gleichzeitig bestreiten. Undundund ...

Es gibt noch viel zu tun: Los, Ferkokel!

 Ende


Links:
Metakritiken -  Eine genauere Reise durch die Einall-Region auf Bisafans  

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