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Ausgewählter Test:
Review
GRAN TURISMO 5
GRAN TURISMO 5 [ PlayStation3 ]
Es gibt Dinge, die lassen sich vorausahnen, dennoch überraschen sie einen wenn sie von heute auf morgen ohne Vorwarnung die eigene Lebensplanung umwerfen. So wie ein Nerd nach vormaliger jahrelanger Abstinenz, nach einem überraschenden One-Night-Stand, plötzlich damit konfrontiert wird, werdender Vater zu sein, schlägt nach ewig langer Verspätung urplötzlich und ohne große Vorwarnung Gran Turismo 5 ein. - Ob GT5 dabei ein One-Night-Stand ist, den man sich schön trinken muss oder die Liebe fürs Leben, werden wir in den folgenden Zeilen sehen.

Wer die letzten 6 Jahre gewartet hat, kann sich auch noch ein bisschen länger gedulden. Das Spiel möchte einen ordentlichen Batzen Daten über eine Dreiviertelstunde hinweg installieren, gefolgt von einer Anzahl überraschend großer und schnell releaster Patches. Wer dem nicht nachkommen will und sofort startet, kann das freilich auch tun, dann ist aber etwas mehr Geduld im Spiel selbst erforderlich.
Das Spiel heißt einen mit einem 'etwas anderen' Intro willkommen und schmeißt einen in die lustige Welt des Rennsports. Wer sehen will, was seine PS3 und GT5 zu leisten imstande sind, springt direkt in den Arcade-Modus um ein paar Runden zu drehen und sich das Streckenrepertoire und die Premium-Vehikel anzuschauen. 'Premium' bezieht sich dabei ausschließlich auf die grafische Qualität des Wagens. Von den über 1000 Autos sind über 200 als 'Premium-Modelle' verfügbar und stellen optisch alles bisher Dagewesene in den Schatten.
Deswegen lohnt auch der Blick in den Arcade-Modus, denn wer die Karriere startet, wird mit seinen paar Credits auf ein Standard-Modell zurückgreifen müssen. Selbige beinhalten keine Cockpit-Perspektive und sind nicht annähernd so ansehnlich, machen aber immer noch einen guten Job.
Während man jederzeit, wenn man genügend Geld und Erfahrung gesammelt hat, auf die Premium-Modelle beim 'Neuwagenhändler' zurückgreifen kann, sind die gut 700 Standard-Modelle nur vereinzelt beim Gebrauchtwagenhändler zu erwerben. Der hat aber immer nur 30 Vehikel gleichzeitig im Angebot, so dass das Wunschauto oft erst nach sehr langer Zeit auftaucht. Das blockiert in manchen Fällen die Karriere, wenn man einen bestimmten Fahrzeugtypen braucht, von dem es nur wenige gibt, lädt aber zum Wiederkehren ein. Die zahlreichen Infos zu den einzelnen Autos lassen einen dabei auch gerne verweilen.

Ist ein Fahrzeug erworben, geht es ins Renngeschehen. Im Rennen selbst steuern sich alle Wagen, egal ob Premium oder Standard, merkbar unterschiedlich, nachvollziehbar und fluppiglich. Das Feld an KI-Fahrern fährt nicht mehr nur an einer Perlenkette entlang, sondern setzt auch zu stürmischen Überholmanövern an, schiebt sich vor euch und bremst euch aus; ebenso reagieren Sie auf eure Aktionen in dem Sie z.B. in engen Kurven versuchen Platz zu lassen. Das machen nicht alle und freilich nicht immer, doch ob das eine KI-Schwäche ist oder die Fahrer ihren inneren Schumi ausleben und euch absichtlich ins Kiesbett drängen, sei dahin gestellt.
Die klassischen Lizenzprüfungen gibt es weiterhin, aber das mit kontinuierlichem Spielen steigende Fahrerlevel reicht aus, um sich für eine höhere Rennklasse zu qualifizieren.
Nicht nur dafür sind die Levels gut, auch Autos erfordern, neben genügend Kohle, ein gewisses Maß an Erfahrung. Gleichzeitig schaltet man mit den Levels neue Herausforderungen frei, wie Kart-Rennen, eine Bullie-Tour oder eine Nascar-Schulung. Die Renn-Vielfalt ist enorm.
Die angesprochenen Fahrer-KIs gibt es auf jeden Fall. Zumindest im B-Spec Modus. In selbigem fährt man nicht selbst, sondern ein von euch ausgewählter Fahrer, dem man lediglich Anweisungen gibt. Diese haben diverse Variablen, wie z.B. den eben angesprochenen Hang zur Heißblütigkeit oder Gelassenheit. Auch wenn ich im Normalfall lieber selbst fahre, eignet sich der B-Spec Modus, neben dem Vorführeffekt der schönen Grafik, prima um neben dem Fernsehen den KI-Fahrer Kohle für neue Autos scheffeln zu lassen, sowie für Illegale Sportwetten im Freundeskreis - Endlich nicht mehr 'Kamelrennen' auf der Kirmes spielen müssen!
Egal ob aber der KI-Fahrer rangelassen wird oder man selbst am Steuer sitzt: Ab und an muss euer Auto in die Werkstatt zum Ölwechsel oder Motorinstandsetzung. Auch Unfallschäden am Auto sollen ab einem bestimmten Level dauerhaft sein und in der Werkstatt entfernt werden müssen, doch so weit bin ich (noch) nicht vorgedrungen. In der Werkstatt kann man seinen Wagen natürlich auch umgestalten. Wer jetzt an ein Need for Speed denkt wird enttäuscht. Optische Änderungen beschränken sich bei den Standard Modellen auf die Lackierung (die erst erspielt werden muss) und sind selbst bei den Premium Modellen eher marginal. Decals: Nein danke! Wo wir gerade bei 'optisch' sind, der Schaden am Auto ist (bisher zumindest) auch nur optischer Natur.
Technisch ist GT5 eine Wundertüte, nicht nur im positiven Sinne. Die Grafik alleine ist ein Wechselbad der Gefühle. So läuft das spiel in vollen 1080p und relativ stabilen 60fps, bei einer ganz wundervoll realistischen Ausleuchtung. Lassen sich leichtes Tearing und vereinzelte Popups da noch verschmerzen, kommen andere grafische Defizite, wie die nicht so detaillierten Standard-Modelle so nur noch mehr zur Geltung. Der Regeneffekt auf der Windschutzscheibe wirkt wie eine blockig-milchige Textur, die Gischt der Wagen bei Regen, Schnee und Sand wirft klotzartige Formen um die Kontur der Autos, und die Cockpit-Perspektive ist nicht halb so immersiv wie bei Need for Speed Shift. Die oft angesprochenen Schatten erwähne ich gar nicht erst. Dafür freue ich mich über andere Details: Die ausgemodelten Zuschauer an der Rennstrecke drehen ihre Köpfe nach den vorbeirasenden Wagen um (in PGR4 jubeln sie ins Leere), bewegliche Spoiler fahren ein und aus (bei Forza sind sie starr) und die Detailverliebtheit der Premium Modelle, Innen wie Außen, ist unerreicht.
Der Sound ist ok und die Musik bunt gemischt. Glücklicherweise kann man auch seine eigene Musik einbinden. Die einzig echte Unzulänglichkeit ist sicherlich die Verschachtelung und Größe der zahlreichen Menüs, und die vielen kurzen Ladezeiten in selbigen.


GT5 ist ein Mammutwerk und ein absoluter Pflichtkauf für jeden echten Autofanatiker und alle die es werden wollen. So schöne Replays gab es noch nie zu sehen, zu schade, dass man die nicht von allen Spielmodi anschauen kann. Die Einteilung in Premium und Standard-Autos verwirrt und ist für jeden, der das Spiel mit den nachvollziehbaren hohen Erwartungen das erste Mal in die Konsole wirft und nur Standard-Modelle gezeigt bekommt, ein Schlag ins Gesicht. Die Standard Modelle, sowie die etwas unschönen Wettereffekte oder teilweise sehr einfachen Streckenbebauungen scheinen Zeugnis einer möglicherweise etwas zu langen Entwicklungszeit zu sein. Die Konkurrenz ist an einigen Ecken weiter als Gran Turismo, dennoch ist GT5 ein Meisterwerk an Umfang, Detailverliebtheit und Spielspass. Und wenn man die PS3 auf 720p stellt, fällt auch die ein oder andere Ecke oder Kante nicht mehr so auf. ^_~ So gesehen, etwas angekratzte:   -  DS_Nadine

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